DGM im Gespräch: „Die Digitalisierung macht Mentoring tendenziell erfolgreicher“

Thomas Zimmerling querDGM-Vorstandsmitglied Thomas Zimmerling hat mit DKM - Die Karrieremacher eine der ersten elektronischen Mentoring-Plattformen im deutschsprachigen Raum entwickelt. Mit uns spricht er über die Potentiale digitaler Mentoring-Angebote, über automatisierte Matching-Prozesse und vertrauensvolle Mentoring-Beziehungen im virtuellen Raum.  

          

Herr Zimmerling, machen Sie mit den Karrieremachern Mentoring 4.0? 

Wir sind in der Tat eine der ersten Plattformen, die vom Matching von Mentor/in und Mentee bis hin zur Evaluation der Mentoring-Beziehung den Mentoring-Prozess komplett online abbilden kann. Im Übrigen bin ich kein großer Freund von Begriffen wie Web 2.0, Mentoring 4.0 oder Industrie 4.0. Die Welt entwickelt sich weiter, und auch das Mentoring digitalisiert sich. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Mentor/in und Mentee nur noch online treffen - ganz im Gegenteil. Die Chemie muss stimmen und das zeigt sich erst im persönlichen Kontakt. 
 

Wie funktioniert Mentoring in der digitalen Welt? 

Eigentlich fast ganz genauso wie in der analogen Welt. Digitale Instrumente sind ja immer nur Mittel zum Zweck und sollen uns Menschen bei der Bewältigung unserer Aufgaben helfen. Ich denke, dass der größte Unterschied zwischen analoger und digitaler Welt bei unserer Plattform tatsächlich im Matching der Tandems liegt. Das ist traditionell ein händischer Prozess, der den Lebenslauf von Mentor/innen und Mentees, detaillierte Fragebögen sowie die Erkenntnisse aus Auswahlgesprächen in Betracht zieht. Bei uns erledigt das ein Algorithmus, der diese Informationen automatisiert verarbeitet und Mentees die passenden Mentor/innen vorschlägt. Bis dato hat das zu unserer großen Zufriedenheit perfekt funktioniert. Viele andere Dinge sind inhaltlich vollkommen gleich, werden jedoch nur online erledigt: Die Formulierung der Mentoring-Vereinbarung, der dazugehörigen Meilensteine und das Ausfüllen von Evaluationsbögen beispielsweise.

Verraten Sie uns, Ihr Betriebsgeheimnis? Wie gelingt das digitaleMatching? 

Man nehme die in der Wissenschaft hinreichend beschriebenen Erfolgsfaktoren für ein gutes Matching und setze sie in eine mathematische Beziehung zueinander. Bei uns sind das sozio-demographische Daten, ein Persönlichkeitstest, Berufsfeld und Branche sowie Wünsche von Mentor/innen und Mentees. Aus vielen Wenn-Dann-Beziehungen und anderen Verknüpfungen errechnet der Algorithmus dann Vorschläge für Tandems. Die finale Auswahl nimmt nach einem persönlichen Treffen zum Kennenlernen jedoch der Mentee vor. Letzten Endes lässt sich ein solcher Algorithmus für jedes beliebige Mentoring-Programm anpassen und verwenden. Entsprechende Anfragen dazu hatten wir schon.

Was sind die Vorteile digitaler Mentoring-Angebote? 

Das Mentoring findet zum größten Teil vollkommen ortsunabhängig statt. Mentor/innen sind in der Regel vielbeschäftigte Menschen mit einem vollen Terminkalender. Ihnen kommt es entgegen, wenn sie sich mit ihrem Mentee von welchem Ort auch immer virtuell treffen können. Außerdem kommt online eine größere Zahl von Mentor/innen und Mentees zusammen. Das vergrößert nicht nur die Auswahl, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu finden, der gut zu mir passt. Das Mentoring ist dadurch tendenziell erfolgreicher. Außerdem können sich die Tandems virtuell häufiger treffen als persönlich. Es ist einfacher und weniger zeitaufwändig, eine Videokonferenz zu organisieren, als ein persönliches Treffen zu arrangieren und durchzuführen.  

Ausden Personalabteilungen vieler deutscher Unternehmen hört man oft, dass sich Beziehungen zwischen Menschen nicht digitalisieren lassen – stimmt das? 

Da gibt es durchaus Ausnahmen. Das ist ein wenig auch eine Generationenfrage. Meines Erachtens bestätigen die Ausnahmen, in denen so etwas rein digital funktioniert, aber nur die Regel, dass Menschen sich persönlich in die Augen schauen wollen, um zu sehen, ob sie miteinander eine Mentoring-Beziehung eingehen. Ich für meinen Teil könnte mir eine rein digitale Mentoring-Beziehung nicht vorstellen. Wahrscheinlich bin ich dafür aber auch schon zu alt. (lacht) 

Was bedeutet das für die Mentoring-Beziehung, für die der vertrauensvolle persönliche Umgang durchaus eine zentrale Rolle spielt? 

Ich denke, dass digitale Instrumente den vertrauensvollen Umgang nicht behindern. Im Gegenteil. Wenn ich mich als Mentor mit meinem Mentee in einem Café am Flughafen treffe, ist das weniger persönlich und geschützt, als wenn wir beide von zu Hause über Videokonferenz miteinander sprechen. Von daher sollten Mentor/in wie Mentee immer schauen, dass sie für ihre Treffen – ob digital oder persönlich – immer einen geeigneten Raum finden, in dem ein vertrauensvoller persönlicher Umgang miteinander möglich ist.

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